Besteht die Möglichkeit, industriell gefertigte
Standardsondenkost durch natürliche Lebensmittel zu
ersetzen?
Problemlage:
Es kann davon ausgegangen werden, dass ca 140.000 Menschen
in Deutschland aus den unterschiedlichsten Gründen mit
Sondenkost ernährt werden. Die bisher auf dem Markt
angebotene Sondenkost ist industriell gefertigt. Bei der
Analyse der Personen, die Sondenkost erhalten zeichnen sich
primär zwei große Gruppen ab. Es handelt sich zum einen um
Menschen, die aufgrund eingeschränkter oder nicht mehr
vorhandener Schluck - oder Kaufähigkeit, bzw. auf Grund
eines umfänglichen zeitlichen Bedarfs, um den
erforderlichen Bedarf an ausreichender Ernährung decken zu
können, Sondenkost erhalten. Diese Gruppe umfasst ca
100.000 Personen. Demgegenüber erhält die zweite Gruppe
Sondenkost aufgrund von spezifischen Stoffwechsel - oder
Organstörungen. Menschen, die aufgrund von Kau - und
Schluckstörungen, ect. Sondenkost (Standardsondenkost)
erhalten verfügen über einen funktionierenden
physiologischen Magen - und Darmtrakt, der in
der Lage ist, natürliche Lebensmittel zu verwerten. Die
Gabe von industriell hergestellter Sondenkost kann den
erforderlichen Bedarf der Ernährung substituieren. Vielfach
handelt es sich dabei um Zeiten die mehreren Jahren
umfassen, in dem den betroffenen Menschen diese Substrate,
die die natürliche Nahrung ersetzen, zugeführt werden. Wird
diese Sondenkost kontinuierlich zugeführt, kann ein
Ergebniss dessen sein, dass Menschen in den tagtäglichen
Lebensablauf zu wenig integriert werden (Teilnahme an den
gemeinsamen Mahlzeiten, Mobilisation aus dem Bett, um an
alltäglichen Abläufen zu partizipieren). Dieses wiederum
kann zu sozialer Isolation und mangelnder sensorisch-
physiologischer Anregung führen. Weiterhin wird seit
einigen Jahren darüber diskutiert, dass Standardsondenkost
aus der Erstattungsfähigkeit herausgenommen werden soll.
Vor diesem Hintergrund liegt es im Interesse von
Betroffenen sowie ihren Angehörigen, eine sinnvolle
Alternative zur industriell hergestellten Ernährung für
diese Sondenkost Patienten zu schaffen.
Selbsthergestellte Sondennahrung kann eine solche
Alternative darstellen und wird die Ernährung der Patienten
durch natürliche, frisch verarbeitete Nahrungsmittel
ermöglichen, eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten
und sich durch abwechslungsreichere Ernährung positiv auf
die Magen Darm -Tätigkeit und das persönliche
Wohlbefinden der Patienten auswirken.
Ziel des Projektes,
war es, die Patientengruppen zu identifizieren, die mit
selbsthergestellter Sondenkost ernährt werden können und
heraus zu finden, welche Anforderungen bei der Herstellung,
Lagerung und Verabreichung von selbsthergestellter
Sondenkost zu beachten sind.
Methodisches Vorgehen:
Zur Klärung der Fragen wurden eine Literaturanalyse,
Experteninterviews, sowie eine Angehörigenbefragung
durchgeführt, die zu den nachfolgenden Ergebnissen führten.
Ergebnisse:
Selbsthergestellte Sondenkost kann Menschen verabreicht
werden, die Sondenkost benötigen und über eine
physiologische Stoffwechsel- und Verdauungsfunktion
verfügen. Bei dieser Zielgruppe handelt es sich um Menschen
mit neurologischen Erkrankungen, Behinderungen,
Essstörungen, Traumata ohne weitere Komplikationen,
kognitiven Beeinträchtigungen und therapiebedingter
Sondenernährung ohne weitere Komplikationen. Bei der
industriell hergestellten Sondenkost werden verschiedene
Kostformen angeboten. Zur eigenen Herstellung im Sinne
einer Standardsondenkost bzw. Normalkost eignet sich die
bilanzierte Diät zur ausschließlichen und vollständigen
Ernährung und die hochmolekulare Trink- und Sondennahrung
mit Ballaststoffen. Selbsthergestellte Sondenkost kann vor
allem im häuslichen Bereich eingesetzt werden. Es kann
davon ausgegangen werden, dass Eltern von behinderten
Kindern bzw. pflegende Angehörige von Menschen im Wachkoma
die eigene Herstellung von Sondenkost gern aufgreifen. Von
diesen Gruppen ist bekannt, dass sie ein hohes Engagement
aufweisen und selbsthergestellte Sondenkost hier bereits
angewendet wird. Bei der Herstellung, Lagerung und
Verabreichung selbsthergestellter Sondenkost sind machbare
Hygienemaßnahmen einzuhalten.
Weiteres Vorgehen:
Geplant ist es, eine klinische Studie anzuschließen, welche
besonders die Gruppe der Betroffenen focussiert, die in der
häuslichen Umgebung leben.
Ein Antrag wurde bereits erarbeitet.