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Problemstellung

Aus der Literatur ist bekannt, dass Besuchsregeln (BR) auf IS in den meisten Fällen institutionell vorgegeben und primär durch strenge Restriktionen gekennzeichnet sind. Ergebnisse einer Literaturstudie lassen darauf schließen, dass über 90% der IS im angloamerikanischen Raum offiziell ein restriktives Besuchsmodell praktizieren (Metzing u. Osarek 2000). Für Deutschland liegen keine vergleichbaren Daten vor, es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Situation vergleichbar ist. Als weiteres Ergebnis der Literaturstudie wird festgehalten, dass sich innerhalb von Restriktionsmodellen neben großer Variabilität auch ein fehlender Konsens ausmachen lässt, was die These nahe legt, dass sich BR eher an institutionellen Variablen orientieren als an einer patientenorientierten Pflege (Youngner u.a. 1984; Stockdale u. Hughes 1988; Halm u. Titler 1990; Biley u.a. 1993; Kirchhoff u.a. 1993; Simon u.a. 1997).
Die zentralen Argumente für Restriktionen bestehen in der ‘Vermeidung von nachteiligen Auswirkungen auf Patienten‘ und der ‘Gewährleistung von Ruhe und Erholung‘. Bisherige Studien weisen weder negative physiologische noch negative psychologische Auswirkungen von Besuch auf Patientinnen nach (Metzing u. Osarek 2000). 

 
Relevanz und Hintergrund des Problems 

Pflegende sind die Gatekeeper der IS. Ihnen obliegt die Entscheidung über die Einhaltung der offiziellen BR, die auf der Basis von persönlicher Überzeugung und Einstellung sehr individuell gehandhabt wird (Kirchhoff u.a. 1993; Halm u. Titler 1990), unabhängig davon, ob die offizielle Regelung restriktiv oder liberal gestaltet ist (Fairburn 1994; Henneman 1989; Kirchhoff u.a. 1993; Simpson u.a. 1996; Youngner u.a. 1984). Simpson u.a. (1996) beschreiben Pflegende in diesem Zusammenhang als „die einzige signifikante Variable“ bei der Ent- scheidung um Besuche und verweisen auf ein variables Set an Regeln, das an  einem Tag durch unterschiedliche Pflegende aufgestellt werden kann. Im positiven Sinne können Intuition und Erfahrung als Basis für diese individuelle Entscheidungsfindung genannt werden, und so betrachtet ermöglicht ein solches System eine „nützliche Flexibilität“, es birgt aber gleichzeitig die Gefahr willkürlicher und inkonsistenter Entscheidungen (Youngner u.a. 1984). Bei Patienten und Angehörigen kann das erhebliche Verwirrung auslösen, in einem Pflegeteam mit unterschiedlichen Überzeugungen nicht selten eklatante Konflikte erzeugen.

Ziele der Studie

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte wurde eine Studie durchgeführt, um Erkenntnisse zur Bedeutung von Besuch aus der Betroffenenperspektive zu gewinnen. Dabei stand folgende Forschungsfrage im Vordergrund:
Welche Erfahrungen machen Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthalts auf einer IS mit Besuchen und welche Bedeutung haben Besuche für sie?

 
METHODISCHER STREIFZUG3

Das Erkenntnisinteresse der Studie bestand darin, die erlebte Wirklichkeit von Patienten zu rekonstruieren, um Einblicke in Erfahrungen und Bedeutungs- zuschreibungen zu erhalten. Die Kontextgebundenheit wie auch die Subjektivität von Erfahrungen führte zu einem qualitativen Forschungsansatz. Besuch als soziale Interaktion verstanden, in dessen Prozess reziprok Bedeutung entsteht, impliziert eine methodologische und methodische Anlehnung an die Grounded Theory. Es war jedoch nicht Ziel, eine Theorie zu entwickeln, sondern die Methode wurde in Strauss’ Sinne als Stil verstanden, Daten qualitativ zu analysieren. Die Daten setzen sich aus 12 Tiefeninterviews zusammen, die alle auf Tonband aufgezeichnet, transkribiert und daran anschließend analysiert wurden.


3 Da es den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, sollen hier nur die wesentliche Aspekte des methodischen Vorgehens angesprochen werden.

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