3. 1. "Ohne Familie geht's nicht"

Die Bedeutung von Angehörigen für Patientinnen und Patienten auf Intensivstation



Der Folgende Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Basale Stimulation. Neue Wege in der Pflege Schwerstkranker" des Verlags Urban & Fischer:
Metzing, S. (2003). Ohne Familie geht's nicht. Die Bedeutung von Angehörigen für Patienten auf der Intensivstation. In P. Nydahl;G. Bartoszek (Eds.), Basale Stimulation. Neue Wege in der Pflege Schwerstkranker (4. überarbeitete Aufl., pp. 270-282). München: Urban & Fischer.

Info:


Ein Beitrag zu dieser Arbeit ist auch in der Zeitschrift "PflegenIntensiv", 3/04 des Bibliomed- Verlags, erschienen.

Sabine Metzing


Angehörige leisten einen existentiellen Beitrag zum Genesungsprozess von Patientinnen1 auf Intensivstationen (IS) und sollten als Teil des therapeutischen Teams verstanden werden. Dieses Kapitel, in dem Ergebnisse einer Studie2 vorgestellt werden, will zu einer Diskussion von Besuchsregeln vor dem Hintergrund der Bedeutung von Angehörigen für Patientinnen als Aspekt einer familienorientierten (Intensiv)Pflege einladen.



EINLEITUNG (Seite 1)



METHODISCHER STREIFZUG (Seite 2)
• Problemstellung (Seite 2)
• Relevanz und Hintergrund des Problems (Seite 2)
• Ziele der Studie (Seite 2)


ERGEBNISSE (Seite 3)
• Teil I: "ohne Familie geht es nicht" (Seite 3)
• Teil II: Grenzen von Besuch (Seite 5)

DISKUSSION (Seite 6)
• Die existentielle Bedeutung der Angehörigen (Seite 6)
• Grenzen von Besuch (Seite 6)

LITERATUR (Seite 7)



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EINLEITUNG



Intensivstationen stellen einen Ort dar, der durch hochentwickelte Technik ermöglicht, Menschen in lebensbedrohlichen Situationen zu überwachen und zu behandeln.
 
Durch die Schwere der Erkrankung von Patienten und den daraus resultierenden komplexen lebensunterstützenden Maßnahmen, konzentriert sich die Aufmerksamkeit Pflegender und Ärzte auf einen kleinen Radius um das Patientenbett (Boykoff 1986), wobei primär physiologische Parameter – die Ursachen der Intensivbehandlung betreffend – fokussiert werden. Ziele therapeutischer Interventionen sind Erhaltung, Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitszustands der Betroffenen. 
 
Patientinnen dennoch nicht reduziert auf ihre Erkrankung wahrzunehmen, stellt einen wesentlichen Bereich pflegerischen Handelns dar. Aus „dem Herzinfarkt in Bett 4“ wird eine individuelle Person, die durch mehr gekennzeichnet ist als durch ein verschlossenes Koronargefäß mit entsprechenden Symptomen und Laborparametern. In der internationalen Fachliteratur lässt sich in den letzten Jahren zunehmend ein erweiterter Fokus beobachten, der eine neue Perspektive mit sich bringt. Diese fokussiert Menschen als Teil eines sozialen Systems, in dem sie eine Rolle erfüllen. Für die Pflege hat hier der Begriff der ‚familienorientierten Pflege’ an Bedeutung gewonnen. Familie wird als ein System verstanden, das sich aus sogenannten Subsystemen, den jeweiligen Mitgliedern der Familie, zusammensetzt. Krankheit eines Mitglieds der Familie wirkt sich auf das gesamte System aus (Nicholson u.a. 1993) und kann innerhalb des Systems eine Krise auslösen. Ein jedes System versucht, sich im Falle einer Krise zu reorganisieren, und in diesem Prozess bedingt das Verhalten der Mitglieder einander wechselseitig (Smith u.a. 1991). 
 
Für die Intensivpflege stellt diese neue Perspektive in gleicher Weise Anforderung wie auch Chance dar. Anforderung, weil das Annehmen dieser erweiterten Perspektive eine Erweiterung des engen Radius notwendig macht. Kirchhoff u.a. (1993) machen darauf aufmerksam, dass Intensivpflegende bei der kontinuierlich ansteigenden Anzahl von Verantwortungsbereichen nicht immer auf eine adäquate Ausbildung zurückgreifen können, was die Notwendig- keit von Fortbildungsangeboten und Unterstützung für Pflegende nach sich zieht. Chancen ergeben sich durch die Möglichkeit innovativer Ansätze und durch die Bereitschaft, den weiterhin (oft technisch ausgerichteten) notwendigen Arbeiten neue Aspekte einer patienten- und familienorientierten Pflege hinzuzufügen.
 
Besuch, das Thema dieser Arbeit, kann als Schnittstelle zwischen der Patientin als Individuum im medizinisch-pflegerischen ‚System' und ihres familiären Systems betrachtet werden.

1Sind Frauen und Männer gleichermaßen gemeint, wird auf neutrale Formulierungen zurückgegriffen (z.B. Pflegende). Ist dies nicht möglich, werden die Begriffe ‚Patientinnen’ und ‚Patienten’, respektive ‚Ärztinnen’ und ‚Ärzte’ abwechselnd verwendet, schließen aber beide Geschlechter mit ein. 
2Hierbei handelt es sich um eine Abschlussarbeit des Studiengangs ‚Master of Science in Nursing’ am Institut für Pflegewissenschaft, Universität Witten/Herdecke, die von Dr. Wilfried Schnepp und Prof. Dr. David Aldridge betreut wurde.

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