Angehörige leisten einen existentiellen Beitrag zum
Genesungsprozess von Patientinnen1 auf Intensivstationen
(IS) und sollten als Teil des therapeutischen Teams
verstanden werden. Dieses Kapitel, in dem Ergebnisse einer
Studie2 vorgestellt werden, will zu einer Diskussion von
Besuchsregeln vor dem Hintergrund der Bedeutung von
Angehörigen für Patientinnen als Aspekt einer
familienorientierten (Intensiv)Pflege einladen.
EINLEITUNG
(Seite 1)
METHODISCHER STREIFZUG
(Seite 2)
•
Problemstellung (Seite 2)
• Relevanz und Hintergrund des Problems (Seite 2)
• Ziele der Studie (Seite 2)
ERGEBNISSE (Seite
3)
• Teil I: "ohne
Familie geht es nicht" (Seite 3)
• Teil II: Grenzen von Besuch (Seite 5)
DISKUSSION
(Seite 6)
• Die
existentielle Bedeutung der Angehörigen (Seite 6)
• Grenzen von Besuch (Seite 6)
LITERATUR
(Seite 7)
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Intensivstationen stellen einen Ort dar, der durch
hochentwickelte Technik ermöglicht, Menschen in
lebensbedrohlichen Situationen zu überwachen und zu
behandeln.
Durch die Schwere der Erkrankung von Patienten und den
daraus resultierenden komplexen lebensunterstützenden
Maßnahmen, konzentriert sich die Aufmerksamkeit Pflegender
und Ärzte auf einen kleinen Radius um das Patientenbett
(Boykoff 1986), wobei primär physiologische Parameter
– die Ursachen der Intensivbehandlung betreffend
– fokussiert werden. Ziele therapeutischer
Interventionen sind Erhaltung, Stabilisierung und
Verbesserung des Gesundheitszustands der Betroffenen.
Patientinnen dennoch nicht reduziert auf ihre Erkrankung
wahrzunehmen, stellt einen wesentlichen Bereich
pflegerischen Handelns dar. Aus „dem Herzinfarkt in
Bett 4“ wird eine individuelle Person, die durch mehr
gekennzeichnet ist als durch ein verschlossenes
Koronargefäß mit entsprechenden Symptomen und
Laborparametern. In der internationalen Fachliteratur lässt
sich in den letzten Jahren zunehmend ein erweiterter Fokus
beobachten, der eine neue Perspektive mit sich bringt.
Diese fokussiert Menschen als Teil eines sozialen Systems,
in dem sie eine Rolle erfüllen. Für die Pflege hat hier der
Begriff der ‚familienorientierten Pflege’ an
Bedeutung gewonnen. Familie wird als ein System verstanden,
das sich aus sogenannten Subsystemen, den jeweiligen
Mitgliedern der Familie, zusammensetzt. Krankheit eines
Mitglieds der Familie wirkt sich auf das gesamte System aus
(Nicholson u.a. 1993) und kann innerhalb des Systems eine
Krise auslösen. Ein jedes System versucht, sich im Falle
einer Krise zu reorganisieren, und in diesem Prozess
bedingt das Verhalten der Mitglieder einander wechselseitig
(Smith u.a. 1991).
Für die Intensivpflege stellt diese neue Perspektive in
gleicher Weise Anforderung wie auch Chance dar.
Anforderung, weil das Annehmen dieser erweiterten
Perspektive eine Erweiterung des engen Radius notwendig
macht. Kirchhoff u.a. (1993) machen darauf aufmerksam, dass
Intensivpflegende bei der kontinuierlich ansteigenden
Anzahl von Verantwortungsbereichen nicht immer auf eine
adäquate Ausbildung zurückgreifen können, was die
Notwendig- keit von Fortbildungsangeboten und Unterstützung
für Pflegende nach sich zieht. Chancen ergeben sich durch
die Möglichkeit innovativer Ansätze und durch die
Bereitschaft, den weiterhin (oft technisch ausgerichteten)
notwendigen Arbeiten neue Aspekte einer patienten- und
familienorientierten Pflege hinzuzufügen.
Besuch, das Thema dieser Arbeit, kann als Schnittstelle
zwischen der Patientin als Individuum im
medizinisch-pflegerischen ‚System' und ihres
familiären Systems betrachtet werden.
1Sind Frauen und Männer
gleichermaßen gemeint, wird auf neutrale Formulierungen
zurückgegriffen (z.B. Pflegende). Ist dies nicht möglich,
werden die Begriffe ‚Patientinnen’ und
‚Patienten’, respektive ‚Ärztinnen’
und ‚Ärzte’ abwechselnd verwendet, schließen
aber beide Geschlechter mit ein.
2Hierbei handelt es sich um eine
Abschlussarbeit des Studiengangs ‚Master of Science
in Nursing’ am Institut für Pflegewissenschaft,
Universität Witten/Herdecke, die von Dr. Wilfried Schnepp
und Prof. Dr. David Aldridge betreut wurde.